Der Geschichtenerzähler im Kopf

Wir verbringen unser Leben in einem imaginären Selbst. Wir hören die Geschichten in unserem Kopf, deren Fundament geschaffen wurde, als wir jung waren. In uns steckt ein „Erzähler“. Er spricht den lieben langen Tag - wenn wir ihn zulassen - und wir wissen nicht, ob die Geschichten wahr sind oder erfunden vom "Erzähler".

Weil der „Erzähler“ es so möchte, kämpfen wir mit vielem. Wenn eine Herausforderung in unserem Leben auftaucht, versuchen wir sie zu kontrollieren, sie zu beheben, sie loszuwerden oder sie zu beurteilen, weil wir denken, dass sie anders sein sollte als sie IST. Und da ist er wieder, der „Erzähler“ in unserem Kopf.

Frau steht mit einem Rucksack am Meer

Den „Erzähler“ abzuschalten gelingt nach und nach immer mehr Menschen

Das kann uns passieren, wenn eine Herausforderung klein ist (die Ampel ist zu lange auf rot – wie ärgerlich) oder wenn sie groß ist (ich verliere meinen Job, werde krank, muss mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgehen).

Unsere Herausforderungen sind hier, um uns etwas zu lehren und nicht, um sie einfach loszuwerden, weil der „Erzähler“ in unserem Kopf dazu Begründungen findet. Er erzählt uns allein seine Erfahrungen, die er machen musste mit den Geschehnissen aus unserer Vergangenheit.

Eine immer größere Zahl von Menschen erwacht und es gelingt ihnen, diesen „Erzähler“ im Kopf zu erkennen und abzuschalten. Das kann unseren immerwährenden Kampf mit imaginären Aspekten Heilung bringen.

Indem wir uns entschließen, dass genau das, was IST nur richtig sein kann, befreien wir uns von dem „Erzähler“ in unserem Kopf. Dann sind wir in jedem Moment im JETZT. Weil wir das JETZT so akzeptieren können, wie es IST.
Wenn wir das JETZT nicht akzeptieren wollen, dann sind wir der Meinung, dass irgendwas anders sein sollte, als es IST. Und dann brauchen wir wieder den „Erzähler“ in unserem Kopf, der Argumente findet, warum das, was IST einfach so nicht sein kann, wie es IST.

Leben wir ohne den „Erzähler“ im Kopf nicht einfacher?

„Das Gasthaus“ von Rumi ist eine wundervolle Erzählung zu diesem Thema. Rumi sagt:

Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus. Jeden Morgen ein neuer Gast.
Freude, Depression und Niedertracht - auch ein kurzer Moment von Achtsamkeit kommt als unverhoffter Besucher.

Begrüße und bewirte sie alle.
Selbst wenn es eine Schar von Sorgen ist, die gewaltsam Dein Haus seiner Möbel entledigt, selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll. Vielleicht reinigt er Dich ja für neue Wonnen.

Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit - begegne ihnen lächelnd an der Tür und lade sie zu Dir ein. Sei dankbar für jeden, der kommt, denn alle sind zu Deiner Führung geschickt worden aus einer anderen Welt.

(Maulana Dschelaleddin Rumi 1207 - 1273 persischer Mystiker und einer der bedeutendsten persischen Dichter des Mittelalters)

Rumi sagt uns, dass wir keine wahllosen Opfer sind, für das was geschieht, sondern tatsächlich sollten wir neugierig sein auf das, was sich zeigt – auf alles davon.

Da unsere Aufmerksamkeit in der Regel in der Geschichte in unserem Kopf feststeckt, sollten wir uns immer wieder daran erinnern, dass wir nicht diese Geschichten sind. Wir glauben das irrtümlicherweise.

Wer wir wirklich sind und was auch immer wir sind – sollten wir erlauben zu leben. Das ist der wahre Unterschied zwischen: "Ich habe Angst" und "die Angst ist hier – ich erkenne sie und ich anerkenne sie - aber ich flüchte nicht vor ihr".

Frau geht mit verbundenen Augen über einen Baumstamm an einer Klippe

Das Haus deines Verstandes

Stelle Dir vor, dass Du in einem riesigen Haus lebst, mit Deiner gesamten Familie. Du hast Tanten, Onkel, Großeltern, Cousins, Kinder und Geschwister, und du versuchst ständig, alle diese Leute glücklich zu halten. Als Onkel Jacob wütend wird, stört er die Familienidylle.

Auch Cousine Klara die die ganze Zeit weint, macht die Kinder ängstlich. Dann gibt es Tochter Diana, die immer lächelt – egal was gerade geschehen ist und damit alle verrückt macht.

Nun, hier siehst Du wie es ist, mit Deinem Verstand in einem kämpfenden Selbst zu leben. Du lebst im Haus deines Geistes, mit all diesen Teilen, von denen Du denkst, dass sie zu Dir gehören und Du sie glücklich machen musst. Was Du nicht weißt: das ist nicht nur nicht Deine Familie, es ist nicht einmal Dein Haus.

Mit anderen Worten: Du lebst rein aus Deinem Verstand. Aber der „Erzähler“ mit seinen vielen Stimmen ist nur ein kleiner Teil von Dir.

Lass den „Erzähler“ verstummen – er zeigt nicht das ganze Mosaik, das Du bist.

Du bist mehr – sehe alle Deine Aspekte, die Du bist – und wenn Dir jemand etwas anderes erzählen möchte – höre zu - aber verabschiede ihn wieder aus Deinem Gasthaus ...


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